Von Pauillac (F) nach San Sebastian (ESP)

Da war er nun gekommen; der Tag des Abschieds. Abschied von dem kleinen Hafen an der Gironde, mit seiner tollen 'Hafen-Crew', Abschied von der kleinen Stadt 'Pauillac', mit ihren netten Menschen; aber auch Abschied von - und das fiel uns besonders schwer - unseren Freunden Bergitta & Karlheinz. 

Doch zunächst war am Sonntag den 22.04.2018 erstmal noch ein kleiner Flohmarkt am Hafen, den wir mit Bergitta & Karlheinz besuchten.

Aber um 11.00 Uhr war es dann soweit. Das Schiff musste zum Auslaufen klar gemacht werden, denn wir wollten mit der um 11.40 Uhr einsetzenden Ebbe die Gironde herunter segeln. Der Abschied fiel uns dann doch noch schwerer als gedacht. Langsam fuhren wir unter Motor bei Hochwasser aus dem Hafen. Die sonst so mächtige Strömung der Gironde, welche sonst in der Hafeneinfahrt tobte, war ganz ruhig. Das Großsegel gesetzt, die Genua ausgerollt, den Motor aus, so ging es mit knapp 2 Knoten bei sehr schwachem achterlichen Wind in Richtung Gironde-Mündung. Lange noch war 'Pauillac' zu sehen. Als wollte uns die kleine Stadt einfach nicht fort lassen.

Irgendwann war dann der Wind zu schwach und die Segel schlugen laut hin und her. Wir starteten den Motor, rollten die Genua weg und ließen das Groß als Stützsegel stehen.

Vor uns lag eine lange Strecke. Zunächst die Gironde hinunter, dann um das 'Cap de Grave' herum und weiter Kurs Richtung Süden, vorbei an 'Arcachon' und 'Biarritz' nach 'San Sebastian' in Nordspanien.

Hinter dem Cap, das wir bei herrlichstem Sonnenschein rundeten, konnten wir dann wieder die Genua ausrollen und den Motor ausschalten. Der Wind war zwar immer noch recht schwach, hatte aber, wie in den Wettervorhersagen angekündigt, auf Nord gedreht und kam nun genau von achtern. So zogen wir gemächlich unter Segeln dahin, es wurde langsam dunkel und unsere erste von zwei Nächten auf See begann. Seebeine waren uns noch nicht wieder gewachsen. Die von Steuerbord einlaufenden Wellen ließen 'Tharos' ziemlich hin-und-her schaukeln. Das Schiff schwankte und rollte und unsere Mägen drehten sich... nicht um, aber uns war schon ein wenig - wie wir Hamburger sagen - "plümerant". Aber der Tipp, den wir 2017 auf dem 'Lossegler-Treffen' vom 'TransOcean' bekommen hatten wirke. Vitamin C, als Lutschtabletten. Schmecken gut und halfen ... vielleicht war ja auch nur die Einbildung die half.

Die Nacht war dann kühl, ja eigentlich sogar kalt und anstrengend. Beiliegen geht immer! ... nur bei uns nicht. Irgendwie wollte es nicht klappen, die Fahrt ging nicht aus dem Schiff, oder war es die Strömung. Jedenfalls drifteten wir mit 2,5 Knoten in Richtung Küste auf 'Montalivet' zu. Wir waren zu dicht an der Küste. Mussten wir auch sein, denn nur 10 NM vor der Küste begann ein militärisches Sperrgebiet, dass sich weit in die Biskaya erstreckte und fast die ganze Küste herunter reichte. Sollte zwar Sonntags nicht aktiv sein, aber ich wollte nicht ausprobieren, ob das stimmte. Immerhin war es eine 'Missle Fireing Aera'. Also vergaßen wir das Beiliegen und fuhren weiter. Später in der Nacht schief dann der Wind ein. Naja, was soll er nachts auch schon machen als schlafen; son' Wind ist ja auch nur ein Mensch. Kurz vor Sonnenaufgang hatten wir dann genug von dem Rumgedümpel und starteten den Motor.

Der Morgen graute, der Himmel hatte sich in der Nacht zugezogen und war stark bewölkt. Wir fuhren unter Motor mit gesetztem Groß dahin. Dann tauchte sie auf. Die 'Dune du Pilat'. Die große Düne bei der Bucht von 'Arcachon'. Auch von See aus ein atemberaubender Anblick. Ein Funkspruch riß uns aus den Träumen. Wir wurden von der MRCC gerufen, kurz zu den Schiffsdaten befragt und man wünschte uns eine gute Weiterfahrt.

Doch halt! Da war doch noch was! Mir fiel es gerade noch ein und ich fragte noch schnell nach, ob das Schießgebiet aktiv sei. Die Anwort war toll; es wurde nicht geschossen; das Gebiet war nicht gesperrt. Freie Fahrt nach 'San Sebstian'.

Wir änderten den Kurs und entfernten uns von der Küste. Zwischendurch versuchten wir immer mal wieder zu segeln. Doch der schwache Wind brachte uns nicht wirklich voran und das Schiff rollte entsetzlich.

Der Tag auf See war eher langweilig. Leider keine Delphine; aber glücklicherweise auch kaum Fischer, die ja besonders Nachts sehr nervig sein können.

In der zweiten Nacht kamen wir bis auf 12 NM an die Küste vor 'San Sebastian' heran. Hier versuchten wir es dann erneut mit Beiliegen, um erst mit Tageslicht in die Bucht von 'San Sebastian' einzulaufen. Diesmal klappte es. Es folgten 4 Stunden Schlaf für uns, die allerdings aller 30 Minuten von der Eieruhr unterbrochen wurden, die an einen Rund-um-Blick erinnerte. Also kein wirklicher Schlaf.

Um 06.30 Uhr liefen wir dann am Dienstag den 24.04.2018 in die Bucht von 'San Sebastian' ein. Unser Anker fiel dann kurze Zeit später, hinter der mitten in der Bucht liegenden 'Isla de Santa Clara' auf 5m Wassertiefe. Wir waren angekommen. In Nordspanien. Nach 195 NM. Das Schiff lag sicher vor Anker, ein Fischer fuhr mit einem kleinen Boot um die 'Tharos' herum, machte ein paar Fotos und winkte uns zu. Wir klarten nur noch schnell das Schiff auf, legten uns in die Achterkabine und schliefen sofort tief und fest ein.

 


Donostia-San Sebastian

Nach ein paar Stunden Schlaf zog es uns in die Stadt. 'Tharos' lag weiterhin sicher vor Anker. Also Schlauchboot zu Wasser und los. Mit dem Schlauchboot fuhren wir quer durch die halbe Bucht zum kleinen Hafen von 'San Sebastian'. Der Yachtbereich des Hafens wäre für 'Tharos' zu klein gewesen, im anderen Teil waren Sportboote nicht erwünscht. Unser Schlauchboot störte dort aber niemanden.

Der Hafen lag direkt an der Altstadt. Wir waren sofort mittendrin. Alte Häuser, tolle Plätze, nette Gassen und viele viele Tappas-Bars; einfach super.

Jeden Tag fuhren wir hinüber in den Hafen und liefen durch die Stadt. Conny zog es durch die Geschäfte und über die Märkte. Immer wieder machten wir in einem der kleine Cafés oder einer Tappas-Bar eine kleine Pause. Die Preise waren auch wieder günstiger als in Frankreich, wo der Milchkaffee schon mal € 4,50 kostete. Hier stimmte das Preis-Leistungs-Verhältnis irgendwie wieder. Milchkaffee € 1,30 und auch die Einkäufe rissen keine tiefen Krater mehr ins Portemonnaie.

Das maritime Museum am Hafen war sogar kostenlos. Vom Wanderweg oberhalb der Altstadt hatte man einen tollen Blick über die Stadt und Bucht. Die Stunden in San Sebastian waren einfach toll.

Die Stunden an Bord waren allerdings die "Hölle". In der Biskaya hatte der Seegang erheblich zugenommen. Die um die Insel herum, in die Bucht einlaufenden Wellen verursachten an unserem Ankerplatz einen sehr unangenehmen Schwell. Das Schiff ruckte und zerrte an der Ankerkette und schaukelt 10° - 15° zu jeder Seite. Jeder Schritt an Bord fiel schwer, im Bett rollten wir ständig hin-und-her, kochen wurde zum Balanceakt. Während eines solchen Kochversuchs ertönte draußen neben uns plötzlich ein Schiffshorn. Wir schauten nach draußen und sahen ein Schnellboot der 'Guardia Civil'. Das Boot kam längsseits, ein Beamter hielt einen Kescher herüber und bat um die Schiff- und Personalpapiere. Wir wurden kontrolliert. Alles OK. Die Papiere kamen per Kescher zurück und die sehr höflichen Beamten fuhren winkend davon.

Der Schwell ließ einfach nicht nach. Das Geschaukel auch nicht. Wie hatten die Nase voll. Nicht von der Bucht und schon gar nicht von der tollen Stadt, aber von der Schaukelei. Am 28.04.2018 um 10.00 Uhr hieß es somit "Anker auf!"; Kurs Richtung 'Getaria'.

 

 

Von San Sebastian nach Getaria ... nach Laredo

Na das war wohl nix. Erst das verkorkste Ankerlichten und dann der überfüllte Hafen von 'Getaria'.

Zunächst sah alles so vielversprechend aus. Die elektrische Ankerwinsch holte die Kette sauber ein und er Anker kam brav hinterher. Doch dann ... die selbstaufwickelnde Leine der unserer neuen Ankerboje rollte sich nicht auf. Die Boje trieb weg und ich brauchte mehrere Anläufe um sie mit dem Bootshaken zu fassen zu bekommen. Conny steuerte das Schiff mit herunterhängendem Anker immer der Boje hinterher. Als ich das Ding endlich hatte, musste ich auch noch feststellen, dass sich die dünne Leine der Ankerboje mehrfach um die Kette gewickelt hatte. Conny hielt 'Tharos' per Maschine auf der Stelle und ich befreite die Ankerkette von der Leine und hänget den schweren Anker ein. Als das erledigt war, war ich es auch. Dann noch Großsegel gesetzt und los.

Leider wieder Wind und Welle gegenan. Also blieb der Motor an und das Groß diente nur als Stützsegel.

Nach 'Getaria' waren es nur ein paar Meilen; 12 NM um genau zu sein. Um 12.55 Uhr erreichten wir den Hafen. Dort erkannten wir sofort, dass der Yachthafen übervoll war. Also zunächst mal an die Kaimauer im Fischerhafen. Kaum angekommen fing es an zu regnen. Naja, regnen? Es schüttete wie aus Kübeln. Als der Regen etwas nachließ gingen wir zum Hafenmeister. Dort erfuhren wir, was wir schon gesehen hatten. Kein Platz mehr im Yachthafen. Fischereihafen wäre möglich, aber nur an einem der großen Fischtrawler, nicht an der Kaimauer.

Wir entschlossen uns weiter bis 'Laredo' zu fahren. Das war zwar noch ein ganzes Stück, ungefähr 60 NM weiter, und ging damit wieder über Nacht, aber egal. Die Wettervorhersage war OK. Wind und Welle zwar wieder von vorn, aber dafür nicht so stark und vor allem kein Regen mehr.

Wettervorhersagen! Wie ich sie hasse! Die 'Meteorolügen' hatten mal wieder daneben gelegen. Erst kam Regen und dann in der Bucht von Bilbao, mitten in der Nacht, auch noch starker Wind. Mit 25-30 Knoten kachelte es genau von vorn. Die Wellen wurden höher und höher. Erst hatten wir das stützende Groß nur gerefft, dann mussten wir es ganz bergen. Unter Motor bolzten wir gegen die See an. Erst nach 5 langen Stunden, als wir hinter die Landabdeckung der Bucht von 'Laredo' kamen, wurde es erträglicher. In der Bucht war der Spuk dann vorbei und wir liefen am Sonntag den 29.04.2018 um 06.15 Uhr in den Yachthafen von 'Laredo' ein.

Später, nachdem wir uns etwas von der nächtlichen Sturmfahrt erholt hatten, sahen wir dann, was das heftige Eintauchen in die von vorn kommenden hohen Wellen verursacht hatte. Unser Bug-Fender war in der Mitte einfach durchgerissen. 

 

 

Laredo

das Wetter besserte sich dann in den nächsten Tagen und war ein paar Tage richtig sommerlich. Der ziemlich neue Yachthafen von 'Laredo' war echt super. Tolle Stege, riesige Boxen, Strom und Wasser am Steg, sehr saubere Duschen und Toiletten im Werftgebäude und vor allem supernette Hafen-Crew. Marina Laredo! ... diesen Hafen können wir echt empfehlen. 

Und dann die Lage. Direkt an der Stadt. Links ein paar Schritte weiter, die Altstadt. Wieder tolle kleine Gassen mit Cafés und Bars. Rechts aus der Stadt raus erstreckte sich die 6 km lange Bucht mit breitem Strand und Dünen-Landschaft. Die Promenade, ein breiter und gut ausgebauten Fuß- und Radweg, führte dann bis zu einer kleinen Landspitze von der aus man auf die vorgelagerte Halbinsel mit der Stadt 'Santoña' schauen konnte. Hier gab es ein kleines Restaurant, in welchem wir, bei unserer täglichen Radtour, immer eine kleine "Umkehr-Pause" einlegten. 

Den Strand haben wir natürlich auch besucht. Eben genau an dieser Landspitze. Aber nicht nur zum Sonnenbaden. Von dort fuhr eine kleine Fußgänger-Fähre hinüber nach 'Santoña'. Die Fähre fuhr bis an den Strand heran und ließ dort einfach  die Gangway herunter. Da mussten wir dabei sein. Für € 3,50 pro Person ging es "Ida y Vuelta! , also hin und zurück.

In Laredo blieben wir 10 Tage. Eine schöne Zeit an Spaniens toller Nordküste. Es war schon ein schöner Blick über die lange Bucht mit ihrem herrlichen Sandstrand hinweg zu den Bergen hinüber, deren Gipfel teilweise noch mit Schnee bedeckt waren.

 

 

Von Laredo nach Santander

Nach 10 Tagen war der Tag der Weiterfahrt gekommen. Nach kurzem Tankstopp ging es aus der Bucht von Laredo mit Nordkurs heraus und dann weiter in westliche Richtung an der Küste entlang. Santander war das Etappenziel. Eine Strecke von 25 NM. Der Wind ... naja, Ihr ahnt es schon. genau von vorn.

Diesmal waren viele Fischer unterwegs. Sehr viele! Alle kamen uns entgegen, hatten Kurs Laredo angelegt, wo ich neben dem Yachthafen ein großen Fischereihafen befand. Der Kartenplotter zeigte zeitweise 10- 15 Fischtrawler in unser unmittelbaren Nähe an. Da war aufpassen angesagt.

Die Bucht von Santander streckte sich ins Land hinein. Der Yachthafen lag recht weit in der Bucht. So fuhren wir dann auch zunächst an der Stadt, die aussah als würde sie nur aus Hochhäusern bestehen, und dann am Industriehafen mit Fährterminal, vorbei.

Im Yachthafen, der sich unmittelbar neben der Landebahn des Flughafens befand, bekamen wir dann einen schönen Liegeplatz kurz hinter der Hafeneinfahrt. Wieder wurden wir von der Hafen-Crew herzlich empfangen. Für den Zutritt zum Steg wurde extra für uns ein Kartenausweis mit Lichtbild erstellt.

Der Yachthafen lag leider etwas außerhalb der Stadt. Aber wie wir schnell feststellen konnten, waren die Radwege hier sehr gut ausgebaut. Die 10 km lange Strecke in die Stadt ließ sich gut mit dem Fahrrad bewältigen. Die Stadt selbst hatte tatsächlich viele Hochhäuser, aber auch noch einige ältere Gebäude. Eine Großstadt eben, aber trotzdem mit viel Charme.

Vorgelagert in Richtung Küste lag die schöne Halbinsel 'Parque de Mataleñas'. Eine Radtour zu und auf der Halbinsel bot uns atemberaubende Ausblicke auf die Küste im Bereich der Einfahrt zur Bucht. An der Klippen unterhalb des Leuchtturm brachen sich die großen Wellen, welche von der Biskaya hereinliefen.

Von Santander nach San Vicente de la Barquera ... Llanes

Kaum aus dem Yachthafen raus, konnten wir am 15. Mai um 08.45 Uhr endlich mal wieder die Segel setzen. Es gab tatsächlich mal ein bisschen Wind und den auch noch von Achtern. Unter Genua und Großsegel zogen wir mit 3,5 Knoten die Fahrrinne in der Bucht von Santander Richtung Biskaya. Es sollte in die Bucht von 'San Vicente de la Barquera' gehen, wo wir mal wieder ankern wollten. 

Als wir die Ausfahrt der Bucht erreichten, kam uns an der engsten Stelle der Fahrrinne ein größerer Frachter entgegen, der dort auch noch Schlepperhilfe bekam. Für uns hieß das, umdrehen, und freie Bahn schaffen. Na toll! Genua wieder eingerollt, Groß dichtgeholt und auf Höhe der Innenstadt herumgedümpelt. Dauerte aber dann doch gar nicht so lange wie befürchtet. Schon war die Genua wieder ausgerollt und es ging weiter Richtung Bucht-Ausfahrt.

Vorbei an der 'Isla de Mouro' an der Küste entlang. Im Hintergrund die Berge mit schneebedeckten Gipfeln.

 

Doch dann war es auch schon wieder vorbei mit der Segelei. Der Wind drehte wieder auf West, kam wieder genau von vorn. Die Genua weggerollt, das Groß blieb als Stützsegel stehen. Aber auch das mussten wir noch ändern. Das Schlagen des Großsegels bei Gegenwind war nicht mehr zu ertragen und bestimmt auch nicht gut für's Material. Großsegel eingeholt. Weiter unter Motor. Das Schiff rollte in der ca. 2m hohen Dünung wie verrückt. Echt anstrengend.

In der Bucht von 'San Vicente de la Barquera', wo wir eigentlich ankern wollten, war im vorderen einigermaßen tiefen Bereich kein Platz für unseren Anker. Alles voller kleiner Mooringbojen, mit kleinen Booten dran. Es war auch keine Mooringboje frei; außerdem waren die nur für kleine leichte Boote gedacht. Für unser schweres Schiff waren die Dinger gar nichts. Weiter rein in die Bucht konnten wir nicht, dort war es zu flach für uns.

Also viel die Entscheidung recht schnell: Weiter nach 'Llanes'.

Im Hafen von 'Llanes' war die Einfahrt schon recht eng. Noch enger wurde es bei der Durchfahrt in den Yachthafenbereich. Hier befand sich ein Schutztor, was bei schwerer See geschlossen wird. Das Tor war zwar offen, doch ich zögerte, der Hafenbereich dahinter war sehr eng und laut Seekarte bei Niedrigwasser zu flach für uns. Von Land rief uns ein Mann zu, dass wir durch das Tor in den Yachthafen einfahren sollen, gleich vorn sei ein Platz frei und dort wäre unser Tiefgang kein Problem. Also hinein, auf engstem Raum das Schiff gewendet und ran an den einigen Gästeplatz ganz vorn im Yachthafen.

Wir waren in 'Llanes' und wurden auch gleich herzlich empfange. Ein Motorbootbesitzer wenige Plätze weiter begrüßte uns und organisierte, dass wir noch spät am Abend einen Schlüssel für das Zugangstor zum Steg bekamen.

Am nächsten Morgen bei Niedrigwasser stellten wir dann fest, dass die Wassertiefe doch nicht ganz ausreichend war. Tharos saß auf. Wir standen am Steg auf unserem Kiel. Sandgrund, als kein Problem. Ganz weg war das Wasser nicht, aber bei Niedrigwasser fehlten ca. 50cm um zu Schwimmen. Naja, so kam ich dann mal zu Fuß an das Ruderblatt unserer Selbststeueranlage und konnte die Algen abkratzen. Das Wasser, das mir dabei bis zum Bauch reichte, war allerdings noch recht kühl, so kam ich dann bei der Arbeit auch nicht ins Schwitzen.

Als wir beim Hafenmeister unsere Liegegebühren bezahlen wollten, sagte dieser,dass man sich über unseren Besuch freue und dass wir für die drei Tage kein Liegegeld bezahlen müssten. Muchas gracias!

Der kleine Ort 'Llanes' war einfach nur zauberhaft. Typische nordspanische Häuser, ein schmaler kleiner Yachthafen, der sich weit in den Ort hineinzog, tolle Bars und Restaurants, nette Geschäfte, einfach super. Im Hintergrund konnte man an wolkenfreien Tagen die schneebedeckten Gipfel der Berge sehen.

An der Küste erstreckten sich Wanderwege Richtung Osten und Westen, mit einem tollen Blick auf das Meer, die Buchten und die Klippen, an denen sich die Wellen brachen. 'Llanes' und Umgebung haben uns besonders gut gefallen.

 

Bei Niedrigwasser im Hafen ... Algenentfernung zu Fuß

Von Llanes nach Ribadesella ... nach Lastres

Es war doch wie verhext. Der Wind zu schwach und wenn mal da, dann genau von vorn; die Wellen hoch und so blöd schräg von vorn, dass das Schiff schaukelte wie verrückt und wieder mal konnten wir unser geplantes Ziel vergessen. 'Ribadesella'; die Hafenzufahrt versandet und deutlich zu flach für uns, der Schwell in der Bucht so blöd, dass Ankern keinen Spaß gemacht hätte. Wieder hieß es: Weiter! Neues Ziel: 'Lastres'.

Der Hafen von 'Lastres' hatte wie der von 'Llanes' nur einen einzigen Gästeplatz. Zunächst sagte uns der Hafenmeister, dass dieser Platz zwar gerade nicht belegt, jedoch für eine andere Yacht, die heute am 18.05.2018 noch kommen werde, reserviert sei. Dann bot aber ein Skipper eines Taucherbootes an, seinen Platz für die erwartete Motoryacht zur Verfügung zu stellen und so entschied der Hafenmeister, dass wir bleiben durften. Und auch hier in 'Lastres' sagte man uns, dass man sich über unseren Besuch freue und dass man keine Liegegebühren haben wolle.

Abermals: Muchas gracias!

 

'Lastres' liegt in Hanglage. Die Straßen winden sich durch den Ort den Berg hinauf. Für Fußgänger gibt es Abkürzungen über Treppen. Den Ort zu besichtigen, war dann auch recht anstrengend. Der Ort selbst hatte eigentlich wenig zu bieten, war aber irgendwie doch ganz hübsch. Wir blieben eine Nacht im Hafen, um am nächsten Morgen weiter nach 'Gijón' zu fahren.

Von Lastres nach Gijón

Mit 'ohne Wind' und blöden Wellen ging es am 19. Mai weiter. Wieder unter Motor. Diesmal waren es aber nur knapp 20NM. Das Ziel war der Yachthafen von 'Gijón'.

Schon beim Einlaufen in die Bucht waren die Hochhäuser der Stadt zu sehen. Vorgelagert befand sich ein Industriehafen mit einem kleinen Verkehrstrennungsgebiet. Dies konnte man aber leicht umschiffen.

Der Yachthafen, diesmal nicht kostenlos, aber mit günstigerem Wochentarif, lag dann, ähnlich wie der in 'Laredo', direkt vor der Stadt und direkt neben der Altstadt.

Wir buchten den Wochentarif. Fünf Tage zahlen, sieben Tage bleiben.

Das hatte mehrere Gründe.

Erstens wollten wir hier Conny's Geburtstag am 20. Mai feiern.

Zweitens wollten wir hier auf unseren Freund 'Sven' warten, der in 'Gijón' zusteigen und ein Stück mitsegeln wollte.

Drittens wollten wir die Wartezeit nutzen, um mal wieder ein bisschen am Schiff zu arbeiten. Ein paar Kleinigkeiten standen an. Ein Ölwechsel an Motor und Getriebe war fällig (klar wenn man so viel unter Motor fährt); das Deck musste von seiner Salzkruste befreit und er langsam zunehmende Rost bekämpft werden.

Außerdem war da noch die Stadt zu erkunden. Es wurde nicht langweilig.

 

Der technische Dienst brachte es an den Tag. Die Zink-Anode des Wärmetauschers am Motor war zu 80% aufgebraucht. Öl und Ölfilter hatte ich dabei, aber eine Opfer-Anode nicht. In der Nähe von 'Gijón' gab es einen Motoren-Service, der auch "Lombardini" vertreibt. Gemeinsam mit Sven ging es auf Radtour. Der Motoren-Service war nur gute 7km entfernt. Dort angekommen erfuhren wir, was ich schon befürchtet hatte: Die Zink-Anode war nicht vorrätig und auch nicht so schnell zu beschaffen, da sie aus 'La Coruña' geliefert werden musste. Na, das passte doch. Wir wollten ja nach 'La Coruña'. Der freundliche Service-Mann rief dort an und ließ uns eine Zink-Anode zurücklegen, die wir dann, wenn wir 'La Coruña' erreicht haben, dort abholen können.

So weit, so gut. Radtour zurück und Schiff vorbereiten zum Auslaufen; Richtung Westen.

Von Gijón nach Aviles

Nachdem Sven am 24.05.2018 abends spät bei Regen in 'Gijón' angekommen war und am 25.05.2018 bei Stadtrundgang und Fahrradtour ein bisschen von 'Gijón' gesehen hatte, starteten wir am 26.05.2018 mit ihm weiter Richtung Westen. Zunächst nur eine kurze Strecke von 24NM. Nur ums Eck, bis nach 'Aviles'. Doch dieses Stück hatte es in sich. Nicht nur, dass der Himmel, wie seit langem nicht mehr, bedeckt war, es war auch noch kalt, der Wind blies mit 6Bft aus Westen genau gegenan und die Wellen waren hoch. Keine wirklich schöne Tour.

In 'Aviles' erwartete uns ein Yachthafen mitten im Industrie- und Fischereihafen. Der erste Eindruck aber täuschte. Hinter den Bahnschienen, welche neben der Straße am Hafen verliefen, lag ein bezaubernder Ort, mit Parks und Altstadt. Wir waren so begeistert, dass wir entschieden einen weiteren Tag in 'Aviles' zu bleiben und nicht bereits am nächsten Tag wieder los zu ziehen.

Von Aviles nach Ribadeo

Der Regen und die kühlen Temperaturen wollten auch am 28.06.2018 nicht nachlassen. Immer wieder regnete es zwischendurch und das Thermometer kam nur bis auf max. 16° C. Das war irgendwie kein Sommer und von uns auch ganz anders gedacht. Nun ging es also mal wieder in dicken Segleranzügen auf See. Wir hatten uns für eine längere Strecke entschieden.

Naja, so lang nun auch wieder nicht, doch bis nach 'Ribadeo' waren es 53NM, also mindestens 10 Stunden.

Die Küste war mal wieder atemberaubend schön, doch hätte sie mit Sonnenschein sicher noch schöner ausgesehen.

In 'Ribadeo' gab es einen  Yachthafen hinter einer hohen Brücke direkt vor dem Ort. Kaum dort angekommen, erhielten wir auch schon Besuch. Der Zoll kam mal wieder an Bord. Viel Papierkram. Das dauert. Aber, wie immer: Alles OK.

Nachdem wir dann, obwohl das Büro schon geschlossen hatte, doch noch einen Verantwortlichen des Yachthafens erreichten, erhielten wir einen Schlüssel für das Tor am Steg, Duschen und Toilette und machten noch einen Abendspaziergang durch den Ort.Viel hatte dieser nicht zu bieten. Machte aber nix; wir wollten ja ohnehin am nächsten Tag weiter.

Von Ribadeo in die Ria de Viveiro

Da das war ja mal ein Entschädigung für das schlechte Wetter. Beim Einlaufen am 29.06.2018 in die 'Ria de Viveiro' waren sie plötzlich wieder da. Die lustigen Gesellen hatten wir zuletzt in der französischen Biskaya auf dem Weg nach 'La Rochelle' gesehen. Delphine!

Diesmal waren es große graue Tiere. Sie begleiteten uns nicht nur in die Bucht hinein, spielten mit der Bugwelle und machten tolle Sprünge, nein, sie kamen Abends auch noch in die Nähe unseres Ankerplatzes. In einer Entfernung von knapp 50m umkreisten sie minutenlang das Schiff. Mit der Dunkelheit waren sie dann verschwunden.

Durch die relativ kurze Strecke von 'Ribadeo' in die Bucht von 'Viveiro', waren wir schon am Nachmittag dort. Der Anker fiel am Ende der Bucht auf 3,5m - 4m Wassertiefe. Wegen dem Tiedenhub von 3m steckten wir 35m Ankerkette.

Das Schiff lag sicher vor Anker. Die Ankerpeilung blieb gleich. Der Haken hielt. Also, Schlauchboot zu Wasser und in die Stadt. Wir fuhren direkt an den Strand hinter uns zur Promenade. Kurz vor dem Strand klappten wir den Außenborder hoch, um im Flachwasser nicht mit der Schraube auf Grund zu kommen und paddelten die letzten Meter. Am Strand hieß es dann für einen von uns Schuhe aus und mit den Füßen ins Wasser, um das Schlauchboot mit den anderen darin ein Stück auf den Strand zu ziehen. Es traf ...

SVEN!

Na klar könnte man jetzt meinen. Der Neue an Bord, muss gleich die blöden Jobs machen. Aber so war es nicht. Sven hatte als Erster die Schuhe ausgezogen und war ins Wasser gehüpft. Danke.

Die Idee mit dem Schlauchboot an den Strand zu fahren war nicht die Beste. Wir mussten das Ding noch ein ganzes Stück den Strand hochziehen und an einem Treppengeländer festmachen.

 

Eine kurze Runde durch die Stadt, ließ eine Vorfreude für die nächsten Tage aufkommen. Die Altstadt war echt toll. Dann noch einen Abstecher zum Supermarkt und schwer beladen im Taschen und Rucksack zurück zum Schlauchboot. Diesmal zogen Sven und ich beide die Schuhe aus und zogen das Boot, mit Conny und den Einkäufen darin, zurück ins Wasser. Zurück an Bord der THAROS gab es dann "Abendbrot mit Delphinen", die das Schiff umkreisten.

Am nächsten Tag fuhren wir mit dem Schlauchboot in den Stadthafen. Tharos hätte dort nicht hineingepasst. Direkt hinter unserer Anlegestelle an einer Leiter der Kaimauer, begann die Altstadt. Recht klein aber sehr hübsch.

Der nächste Tag war dann ein Wandertag. Mit dem Schlauchboot ging es zunächst wieder in den Stadthafen. Von dort aus durch einen Tunnel unter der Bahn hindurch zu einem Wanderweg, welcher am Fluß 'Rio Landro' entlang führte. Wir gingen davon ca. 5km bis zu dem kleinen Ort 'Portochau'. Dort war ein kleiner Steg neben ein Brücke, wo wir ein kleines Picknick machten. Passend dazu hatten wir ein bisschen Sonne. Auf dem Rückweg am Fluß entlang gab es dann leider mal wieder ein paar kurze Regenschauer.

Nach der kleinen Wanderung kehrten wir noch mal in der Altstadt ein, bevor wir mit dem Schlauchboot zurück zum Schiff fuhren.

Eine letzte Nacht vor Anker in  der 'Ria de Viveiro'

Von der Ria de Viveiro nach La Coruña

Anker auf! So hieß es am 01.06.2018 um 08.00 Uhr in der 'Ria de Viveiro' für uns. Das Manöver klappte perfekt. Der Anker, der uns gut gehalten hatte, ließ sich gut aus dem Grund brechen. Sven und ich standen vorn am Bugkorb. Ich bediente die elektrische Ankerwisch und Conny fuhr das Schiff. Da staunten Sven und ich nicht schlecht. Es sah so aus, als ob der Anker eine riesige helle Plastikfolie mit nach oben brachte. Doch dann schauten wir uns an und lachten. Waren wir doch beide auf eine optische Täuschung hereingefallen. Es war eine riesige "Sandwolke", die sich im Wasser um der Anker gebildet hatte und sich langsam verzog. So was! Da haben wir wohl ziemlich blöd aus der Wäsche geschaut!

Der Anker war geborgen und festgezurrt, der Kurs aus der Bucht lag an, das Wetter war kühl, aber nur leicht bewölkt, der Wind versprach später noch ein paar Meilen unter Segel; alles gut.

 

Wir liefen aus der Bucht von 'Viveiro' Richtung Norden bzw. Nordwesten aus. Zwischen dem Festland und der 'Illa Coelleira' hindurch und dann um das nächste Cap herum. Dann war er da, der versprochene Segelwind. Wenn auch nur ganz leicht, aber doch segelbar. Unter Großsegel, Genua und Besan zog "Tharos" dahin. Der Am-Wind-Kurs brachte uns allerdings deutlich vom Kurs ab. Nach 1,5 Stunden und 5NM war es dann auch schon wieder vorbei mir der Segelei. Da wir nicht nach 'England' sondern nach 'La Coruña' wollten mussten wir wieder das "Diesel-Segel" setzen. Obwohl unter Motor ließen wir bis kurz vor unserem Ziel Großsegel und Besan stehen.

Auch wenn der Wind nur kurz stimmte, war es ein toller Tag auf See. 'La Coruña' empfing uns mit Sonnenschein, wir bekamen einen schönen Platz in der Marina zugewiesen und blieben ein paar Tage. Es galt die Stadt und Umgebung zu erkunden, die Zink-Anode vom Service-Händler abzuholen und mein Fahrrad zu reparieren, bei dem die Kette gerissen war. Außerdem wollten wir von La Coruña' aus mit dem Bus nach 'Santiago de Comopstela' fahren und uns den Wallfahrtsort, in dem der "Jacobsweg" endet, anschauen.

'La Coruña' ist eine größere Stadt, hat aber wie die meisten spanischen Städte, eine schöne Altstadt. Vom Busbahnhof aus hat man gute Verbindungen ins Umland und andere Städte. Uns brachte der Bus nicht nur nach 'Santiago de Compostela', sondern auch in einen Vorort zum Motoren-Service. Leider war es nicht die richtige Zink-Anode, die dort für uns hinterlegt war. Diese Anode nahmen wir aber trotzdem mit, da sie als Opfer-Anode für unseren Generator passte. Die andere Anode wurde vom Händler dann noch bestellt und direkt in den Hafen geliefert. Toller Service. Bestellt, geliefert, eingebaut, alles gut!

Auch mein Fahrrad konnten wir noch reparieren. Der Fahrrad-Händler in 'La Coruña' hatte zwar am Samstag geöffnet, aber keinen Mechaniker mehr verfügbar. Er bot uns an, mein Fahrrad dort zu lassen und am Montag gegen Abend wieder abzuholen, oder nur die Kette zu kaufen und die Reparatur selbst zu machen. Wir dürften dafür auch seine Werkstatt und sein Werkzeug nutzen. Na, das war doch ein tolles Angebot. Kette gekauft, ab in die Werkstatt und los ging die Reparatur. Ging alles wie geschmiert. Gutes Werkzeug ist halt die halbe Arbeit. Danke an den tollen Fahrrad-Laden. Rad läuft wieder perfekt.

Die Zeit in 'La Coruña' war schnell vorbei. Das Wetter war leider nicht ganz so gut. Zwei Tage waren komplett verregnet, die anderen bewölkt und viel zu kühl. Vor diesem Wetter war wir doch geflohen. Als wir letztes Jahr in Glückstadt gestartet waren, hatten wir es für Ende Mai/Anfang Juni deutlich zu kühl und verregnet. Damals hatten wir uns gesagt, dass, wenn wir erst die Biskaya und Südfrankreich erreicht haben, das Wetter deutlich wärmer und besser würde. In Südfrankreich sagten wir uns dann Ende April, dass es in Nordspanien für uns endlich Sommer werden würde. Nun in Nordspanien stellten wir fest, dass wir mit unseren Einschätzungen völlig daneben langen.Wir hatten typisches norddeutsches "Schmuddelwetter". Aus Deutschland erreichten uns die Nachrichten von Freunden, die von einer Hitzewelle mit Sonnenschein und Temperaturen jenseits der 30°C sprachen. Irgendetwas stimmte hier nicht. Unser Traum ging jedenfalls anders.

 

Santiago de Compostela

Hier endet er, der berühmte "Jacobsweg", von dem es ja mehrere zu geben scheint, denn immer wieder sind wir in Nordspanien in den verschiedensten Orten auf einen ausgewiesenen "Jacobsweg" gestoßen. Naja, wie dem auch sei, einer oder mehrere Wege ist ja auch egal, deren Ende liegt eben genau hier in 'Santiago de Compostela'. Hier kommen sie alle an, die ganzen Pilger, die für mich - aber das ist nur meine Meinung und die sei mir verziehen - irgendwie alle eher auf dem "Holzweg" sind.

 

 

Mit 'La Coruña' lag die Biskaya nun in unserem Kielwasser. Von hieraus ging es nun um das berühmte

'Cabo Fisterra' und damit um das "Ende der Welt" herum auf den Atlantic und dort weiter Richtung Süden.

Aber das sind dann die nächsten Rubriken ...