Von der Ile d' Ouessant nach Camaret sur Mer

Um 07.40 Uhr haben wir am 01.09.2017, mit bereits an der Mooringboje gesetztem Großsegel, die Baie de Lampaul verlassen und Kurs Richtung südwest angelgt.

Vom Atlantik ging es nun  in die Biskaya.

 

Der Wind war günstig und unter vollen Segeln fuhren wir mit 5 Knoten durch tief dunkelblaues Wasser. Von hinten rollten ca. 2m hohe Wellen heran und schoben uns zusätzlich zum Wind kräftig an. Die Wellen waren zwar hoch aber sehr lang und nicht unangenehm. Einfach tolles Segeln!

 

 

Unterwegs kamen wieder Delfine ans Schiff. Diesmal waren unsere lustigen Zeitgenossen aber nur kurz dabei. Sie hatten irgendwie keine Zeit zum Spielen. Möwen auf und über dem Wasser verrieten, dass sie am Fische jagen waren. 

 

Die Segel konnten wir bis kurz vor dem Hafen vor Camaret sur Mer in der Bucht von Brest, stehen lassen. Erst kurz vor dem Einlaufen haben wir die Lappen geborgen und sind die letzten Meter bis zum Anleger unter Motor gefahren. Insgesamt waren wir heute 26 Seemeilen gesegelt und nur 5 Meilen mit Motor gefahren. Einfach toll.

 

In Camaret sur Mer haben wir längsseits an der Außenkante festgemacht. Im Hafen haben wir dann ein uns gut bekanntes Schiff getroffen. Die SY 'TORDAS' von Elke & Jogi lag hier. Die TORDAS war unser Nachbarschiff im Harburger Binnenhafen. In 2015 waren wir gemeinsam in Norwegen. Leider waren Elke & Jogi nicht an Bord, sondern in Hamburg. Sie müssen dort noch ein paar Monate arbeiten, bevor sie mit ihrem Schiff weiterreisen können. Die TORDAS haben sie im Juli in Camaret sur Mer liegen lassen. Das Schiff wartet hier nun auf ihre Rückkehr.

 

Camaret sur Mer und die nähere Umgebung haben wir mit unseren Fahrrädern erkundet. Auf der Halbinsel im Norden hat man einen tollen Blick aufs Wasser. Zur einen Seite liegt der Atlantik und zur anderen die Bucht von Brest. Im Ort gibt es viele Künstler, die ihre Werke in kleinen Ateliers ausstellen. Weiterhin scheint der Ort ein beliebtes Urlaubsziel bei Deutschen zu sein. Überall hört man vertraute Worte.

In einem Café haben wir die Betreiberin kennengelernt. Eine Deutsche, die vor vielen Jahren der Liebe wegen nach Frankreich gegangen war. Mit ihr haben wir uns bei Kaffee und Kuchen lange unterhalten und viel über Frankreich und Camaret sur Mer erfahren.

Da der Wind zugelegt hatte und das Wetter dann auch noch schlechter wurde, blieben wir drei Tage im Hafen. So hatte ich dann auch endlich mal Zeit den am Motor fälligen Ölwechsel zu machen. Das richtige Öl war ja nun, dank Sven, Loretta & Albrecht, seit Roscoff an Bord.

 

 

Von Camaret sur Mer nach St. Evette (Audierne)

Nachdem sich der Frühdunst am 04.09.2017 bei Camaret sur Mer gelichtet hatte, liefen wir aus und fuhren Richtung Audierne.

Auch diesmal war die genaue Planung wiedermal sehr wichtig, denn es galt das Raz du Sein zu passieren. Ein Cap mit der vorgelagerten Ile de Sein. Ähnlich wie im Race of Alderney hat es auch hier die Strömung in sich. Um den nach Süden setzenden Strom ausnutzen zu können und nicht in gefährliche Wellen zu geraten, mussten wir exakt eine Stunde vor Hochwasser Brest am Raz du Sein ankommen. Wir waren etwas zu früh dort und bekamen auch gleich die Quittung. Hohe Wellen türmten sich auf und zwangen uns nochmal ein Stück zurück zu fahren.

Dann, exakt eine Stund vor Hochwasser Brest war Stillwasser am Raz und die Wellen wurden kleiner. Mit dem nach Süden einsetzenden Strom ging es nun mit 7 Knoten zügig durch die Meerenge. Bis hierhin waren die Segel mal wieder nur als Stütze gesetzt, den der Wind war wieder nur schwach. Hinterm Cap legten wir Kurs zur Bucht von Audierne an, wo wir, dank des nun auffrischenden günstigen Windes, unter Segeln nach zwei Stunden ankamen. So haben wir dann doch noch ein bisschen segeln können.

 

 

 

 

In der Bucht von Audierne suchten wir uns im Hafen von St. Evette eine freie Mooringboje in ausreichend tiefem Wasser. 

 

 

Am nächsten Tag nahm der Wind kräftig zu und wir beschlossen an der Mooringboje zu bleiben. Wir verbrachten den ganzen Tag an Bord. Mit dem Schlauchboot an Land zu fahren war nicht möglich. Der SW-Wind zerrte am Schiff und das Schiff an der Mooringboje, die teilweise bis zu einem Meter aus dem Wasser gehoben wurde. Da ich Sorge hatte, dass die doch recht kleine Mooringboje nicht halten könnte, bereitete ich den Anker vor und ließ den Motor warm laufen. Nur für den Fall der Fälle. Hätte unser schweres Schiff die Mooringboje losgerissen, hätte ich sofort reagieren können.

 

 

Der Wind wurde bis Mittag immer stärker. Das Schiff zerrte und schaukelte. Dann schwächte sich der Wind ab, drehte auf NW und der Spuk war vorbei. Nach einem gemütlichen Abendessen verbrachten wir später eine ruhige Nacht an der Mooringboje.

 

Von St. Evette nach Bénodet

Das Großsegel bereits an der Mooringboje gesetzt, abgelegt und Kurs Richtung Bénodet angelegt, so startete der 06.09.2017 für uns. Mit hoher achterlicher Welle, die noch vom stürmischen Vortag stand, motorsegelten wir in Richtung Süden. Zwischendurch war auch mal reines Segeln angesagt.

 

Kurz vor unserem Ziel wurde der Wind dann echter Segelwind, doch wir hatten leider nicht mehr viel davon. Die Segel geborgen ging es unter Motor ein kleines Stück den Fluss hinauf nach Bénodet. Hier machten wir nachmittags an der Außenkante des Yachthafens fest und gingen zu Fuß in die Stadt. Bénodet ist eine Kleinstadt. Nach ein paar Tagen auf der Ile d' Ouessant, im kleinen Ort Camaret sur Mer und an einer Mooringboje in St. Evette, kommt einem diese Kleinstadt allerdings riesig, hektisch und laut vor.

 

Einkaufen, Abendessen, zwei Kanister Diesel nachtanken und schon war der Tag vorbei.

 

Von Bénodet nach Lorient

In Bénodet abzulegen war extrem schwierig, denn am 07.09.2017 um kurz nach 08.00 Uhr hatte mit dem ablaufenden Wasser die starke Strömung des Flusses bereits voll eingesetzt. Da der Fluss kurz vor dem Yachthafen eine Biegung macht und der Hafen an der Außenseite der Biegung liegt, bekamen wir die starke Strömung genau ab. Unser Schiff wurde voll gegen den Anleger gepresst. Ein Ablegen schien unmöglich.

Mit Motormanövern und Leinen durchsetzen gelang es uns aber die THAROS Stück für Stück nach hinten zu verholen. Dann volle Kraft zurück in die Strömung hinein. Das Heck wurde von der Strömung erfasst und sofort rumgedrückt. Das konnten wir ausnutzen, denn der Bug zeigte dadurch zur Mitte des Flusses. Also volle Kraft voraus und rechtwinklig in die Flussmitte. Dann war es geschafft. Mit ablaufendem Wasser verließen wir Bénodet und machten uns auf den Weg nach Lorient.

 

Da der Wind nur schwach wehte ...  Naja, das habt nun schon oft gelesen: Motor, Stützsegel, ... blablabla

 

Auch das kommt Euch bekannt vor: Kaum hatten wir den Hafen von Lorient erreicht, nahm der Wind heftig zu. Mit 6 Bft blies er ... blablabla

 

Über Funk und Telefon setzten wir uns mit dem Yachthafen Kernevel bei Lorient in Verbindung. Man sicherte uns einen Platz zu und nahm uns an der Hafeneinfahrt mit einem Schlauchboot in Empfang.

Das haben wir in Frankreich schon oft erlebt:

Mit den Schlauchboot lotste uns die Hafencrew dann zu einem freien Liegeplatz. Das Beste aber war, dass die Hafencrew mit dem Schlauchboot tolle Unterstützung beim Anlegen leistete, das Schiff dort hin drückte, wo es hin sollte und verhinderte, dass das Schiff irgendwo hintrieb, wo es nicht hin durfte. Bei dem Starkwind, der uns nun mal wieder ärgerte, war das eine echte Erleichterung und nahm mir die Anspannung.

 

Nach einer ausführlichen Wetterauswertung, welche ergab, dass das Wetter die nächsten 8 Tage eher ungemütlich werden wird, haben wir uns nun entschlossen hier zu bleiben. Wir sind am 30. September zu einer Hochzeit eingeladen. Um sicher zu gehen, dass wir die Reise nach Hamburg zeitgerecht antreten können, mussten wir darauf achten, dass wir in einer Stadt sind, von der wir eine gute Verbindung haben. Lorient ist eine solche Stadt. Die nächste wäre Bordeaux. Um nach Bordeaux zu gelangen brauchen wir aber mindestens vier Tage an denen das Wetter gut ist, denn wir wollen uns nicht bei stürmischem Wind und hohen Wellen quälen.

Diese Tage sind aber in nächster Zeit eher nicht zu erwarten. Bordeaux war damit keine Option mehr. So haben wir nun entschieden, dass wir hier in Kernevel bleiben und den 'FlixBus', der von Lorient aus fährt, gebucht.

Am 24. September werden wir über Paris nach Hannover und von dort mit dem Zug weiter nach Suderburg zum VW-Bulli fahren. Ingesamt werden wir 10 Tage in Hamburg und Umgebung sein, am 30. September Hochzeit feiern und am 06. Oktober die Rückreise zu unserem Schiff antreten, das hier in Kerenvel auf uns wartet.

Wann und wie weit wir dann noch ab Anfang Oktober weiter segeln können wird sich zeigen. Der Sommer ist uns ein bisschen davongelaufen. Wir sind nicht so weit nach Süden gekommen wie erhofft. Aber wir sind schon mal in einer Region in welcher es im Winter keinen Frost mehr gibt. Vielleicht haben wir ja Glück, dass der Oktober uns mit schönem und segelbarem Wetter erwartet und wir doch noch bis nach Nordspanien kommen.

 

 

 

Lorient

Hier in Lorient geblieben zu sein war nicht die schlechteste Entscheidung. Auch wenn wir gern noch weiter bis Bordeaux oder sogar bis Nordspanien gekommen wären, so war doch die Ungewissheit, einen logistisch guten Liegeplatz für die Reiseunterbrechung Ende September zu erreichen, letztlich das entscheidende Argument für einen längeren Aufenthalt in Lorient. 

Das Wetter war dann auch in den Tagen nach unserer Ankunft in Lorient erst einmal schlecht. Starkwind und Regen waren hier dominierend. Auch wenn immer mal wieder ein paar schöne Stunden dabei waren, so war es in jedem Fall nicht unser Segelwetter. Wir sind da mehr die „Schönwettersegler“. Wir hassen Starkwind, Regen und vor allem KÄLTE.

Die wenigen sonnigen und warmen Stunden haben wir mit den Fahrrädern genutzt und in kleinen Ortschaften in der Nähe und in tollen Buchten mit weißen Stränden verbracht. 

Auch in der Stadt Lorient waren wir mit den Fahrrädern. Die Stadt hat aber leider nicht viel zu bieten. Es gibt hier keine Historie, wenn man von den U-Boot-Bunkern des 2. Weltkriegs mal absieht. Aber so richtig alte Gebäude oder gar eine historische Altstadt waren hier nicht vorhanden.

Doch uninteressant wurde die Stadt trotzdem nicht. 

In den Yachthäfen in und um Lorient sahen wir recht häufig Rennyachten und Highspeed-Mehrrumpfboote. Nach einem sms-Tipp von unserem Freund Sven, haben wir, wie von ihm empfohlen, das Museum „Cité de la Voile Éric Tabarly“ am Yachthafen „Lorient La Base“ aufgesucht. Es handelt sich dabei um ein Museum, welches die großen Weltumsegler der letzten Jahre, insbesondere aber dem wohl herausragendsten Hochseesegler und Konstrukteur „Éric Tabarly“, zum Thema hat. Eine für Segler und Nichtsegler hochinteressante ‚mit-mach-Ausstellung‘. Hier erfuhren wir alles über die Herstellung von Fahrten- und Rennyachten aller Art. Von der Planung bis zur Fertigstellung wurde alles erklärt. Weiterhin wurden die Zusammenspiele der Naturgewalten wie Wind, Strömung, Seegang und Wetter auf sehr anschauliche Weise, im Zusammenhang mit ihrer Wirkung auf die verschiedenen Schiffstypen, erläutert. Bootsbau mit den verschiedensten Materialien wurde hier genauso zu einem spannenden Thema, wie die Segelmacherei.

Doch es gab auch eine Aktivteil in diesem Museum, der nicht nur für Kinder interessant ist. Hier konnten wir an Simulatoren selbst Yachten, sowohl mit Ruderrad als auch Pinne, steuern, Rennen mit verschiedenen virtuellen Bootstypen mit bis zu sechs Spielern gegeneinander fahren, kleine ferngesteuerte Segelboote auf in einem Wasserbecken (mit Windanlage) steuern, verschiedene Segeltypen an aufgebauten Gestellen bedienen und an einem virtuellen Rennen in einem Simulator teilnehmen. Drei verschiedene Etappen einer Rennyacht auf ihrer Weltumseglung wurden hier in 3D dargestellt. Angeschnallt auf unseren Stühlen, mit 3D-Brillen ausgerüstet, ging es auf hohe See. Es ging rauf und runter im Seegang, wir wurden hin und her geworfen, durchgeschüttelt, durch kleine Ventilatoren blies uns der Wind um die Ohren und kurze Wasserspritzer aus kleinen Sprühdüsen simulierten die Gischt, die uns immer wieder im Gesicht traf. Kurz vor dem Ziel der letzten Etappe, welches natürlich Lorient war, brach dann auch noch der Mast bei unserer virtuellen Rennyacht und fiel uns direkt entgegen. Die 3D-Brille machte es so lebendig, dass wir beide vor Schreck den Kopf einzogen. Auch wenn das ganze Spektakel nur fünf Minuten gedauert hat, so war es doch ein tolles Erlebnis.

Nach der Ausstellung wurde uns dann bewußt, dass wir uns in Lorient im „Mekka der Hochseesegler“ befinden. Nun war uns auch klar, warum wir hier in und um Lorient so viele Renn-Yachten und -Mehrrumpfboote sahen.

 

Der Yachthafen von Kernevel, wo wir mit unserem Schiff liegen, befindet sich etwas außerhalb von Lorient. Eigentlich so'n bisschen im Nirgendwo. Nach Lorient-Centrum sind es ca. 5km, in den nächsten Ort, nach Lamor Plage, ca. 1,5km. Mit dem Fahrrad aber alles kein Problem.

In den Yachthäfen, im Bereich Lorient, sind in dieser Jahreszeit die Liegeplätze Mangelware. Wir hatten die ersten drei Tage einen Boxen-Liegeplatz. Den mußten wir dann aber wieder freigeben, da der Platz einem Dauerlieger gehört, der von einem Segeltörn zurückkam. Da man keinen weiteren Platz mehr mit ausreichender Wassertiefe für unser Schiff hatte, bot man uns an, an der Innenkante des Außenpontons ins 'Päckchen' zu gehen. Nun liegen wir, bis Anfang Oktober, längsseits an der 'Au Avant', einem ehemaligen holländischen Schlepper, der dauerbewohnt ist, nicht mehr auf Fahrt geht und hier so langsam vor sich hin rostet.

 

 

Kernevel bei Lorient war für einen Monat und ein paar Tage unser Liegeplatz. Zunächst waren wir dort eingeweht und als die Zeit bis zu unserem Kurztrip nach Deutschland dann zu knapp wurde, haben wir uns entschlossen bis nach der Reise dort zu bleiben.

Die Kurzreise nach Deutschland ist nun schon wieder Geschichte. Wir waren zu einer Hochzeitsfeier eingeladen, bei der wir weder fehlen wollten, noch fehlen durften. Die Feier war einfach supertoll. Allein deshalb hat sich die recht anstrengende Reise mit zwei "FlixBus-Marathons" schon gelohnt.

Aber auch unser Aufenthalt vor und nach der Feier war toll. Es ist schön mal wieder Familie und Freunde um sich zu haben.

 

Die Rückreise nach Lorient begann dann erstmal mit Stress. Ein schwerer Sturm hatte zwei Tage zuvor in Norddeutschland für Chaos gesorgt. Wegen umgefallener Bäume fuhren keine Bahnen mehr. Das dies zwei Tage nach dem Sturm immer noch so sein würde, damit hatten wir nicht gerechnet. In Dreilingen angekommen, unseren VW-Bulli abgestellt, sollte es nun am 06.10.2017 von Suderburg aus mit der Bahn nach Hannover zum "FlixBus" gehen. Doch die Bahn fuhr nicht. Wir waren ziemlich ratlos und ich war stinksauer. Unser Freund Thomas behielt allerdings die Ruhe, die mir in der Situation mal wieder fehlte, und lieh uns sein Auto, mit dem wir dann auf den letzten Drücken nach Hannover gefahren sind. Hier haben wir das Auto in bahnhofnähe in ein Parkhaus gestellt und gaben den Schlüssel bei der Bahnhofsmission ab. Thomas wollte dann einen Tag später den Schlüssel dort übernehmen und den Wagen wieder zurück holen. (Das hat dann auch alles geklappt wie geplant)

 

Wir erreichten unseren "FlixBus" und nach einem Zwischenstopp in Paris und nach 24 Stunden Reisezeit:   Lorient.

 

Von Lorient zur Belle Ile

 

Nach ein paar Tagen Akklimatisierung sind wir dann am 10.10.2017 wieder gestartet und "Tharos" war wieder in der Biskaya unterwegs. Zunächst war es nur ein kurzer Törn bis zur Insel "Belle Ile". Das Wetter und der Wind waren toll. Das Schiff lief und wir waren wieder "zu Hause". Ein bisschen waren uns die "Seebeine" abhanden gekommen und wir mussten uns erst wieder an die Bewegungen auf See gewöhnen. Dafür war die kurze Strecke zur "Belle Ile" genau richtig.

Gegen Spätnachmittag liefen wir in die Bucht des kleinen Hafenortes "Sauzon" ein. An einer Mooringboje vor dem Hafen machten wir auf 4m Wassertiefe fest. Mit dem Schlauchboot ging es dann an Land und zu Fuß erkundeten wir den Ort.

Die "Belle Ile", oder besser das bisschen was wir davon gesehen haben, machte ihrem Namen alle Ehre. Wirklich eine 'schöne Insel'.

Um das Wetter auszunutzen, entschlossen wir uns am späten Abend nur eine Nacht an der Mooringboje zu verbleiben und bereits am nächsten Morgen ganz früh, noch bei Dunkelheit, auszulaufen, denn wir wollten zur "Ile d' Yeu". Das sind immerhin 55NM und da wir dort nicht bei Dunkelheit ankommen wollten, mussten wir früh starten. Abfahren bei Dunkelheit an einem bekannten Hafen ist leichter, als bei Dunkelheit in einen unbekannten Hafen einzulaufen.

 

Das alles dann ganz anders kommen sollte, wussten wir bei unserer Entscheidung nicht.

 

Von der Belle Ile ...

Eigentlich wollten wir am Mittwoch den 11.10.2017 von der "Belle Ile" zur "Ile d' Yeu" segeln. Der Wind passte aber leider nicht so recht und drehte dann auch noch, sodass er uns auf dem Kurs zur "Ile d' Yeu" genau gegenan kam. Also Kursänderung! 

Wir legten "St. Nazaire" an. Der Wind war zwar nicht wirklich gut dafür und wir wollten dort auch gar nicht hin, aber wir hatten auch keine Lust zur "Ile d' Yeu" unter Motor gegenan zu bolzen, oder aber stundenlang zu kreuzen ohne der Ile wirklich näher zu kommen. Doch dann drehte der Wind wieder. Also noch eine Kursänderung!

Das Schiff lief nun so gut unter Segeln und der Kurs zur "Ile de Yeu" passte wieder. Die Insel erreichten wir aber erst wegen unserer ersten Kursänderung und der dadurch verlorenen Zeit, bei Dunkelheit. Da wollten wir dann nicht mehr versuchen in den kleinen Hafen einzulaufen. Außerdem war der Wind immer noch gut zum Weitersegeln. Also wieder eine Kursänderung und weiter! Dann eben bis nach "Les Sable d' Olonne".  

Als wir nachts dann zu müde waren, war kurz vor unserem Ziel "Beiliegen" angesagt.

(wer nicht weiß, was "Beiliegen" ist, findet in der Rubrik "Infos" eine Erklärung von "Schweinchen Schlau")

Nur das Schiff wollte einfach nicht zur Ruhe kommen. Lange hohe Wellen ließen es kräftig schaukeln und die Strömung versetzte es mit 2,5 Knoten zurück. Wir bekamen kein Auge zu und büßten auch noch schon gewonnene Seemeilen ein. Nach 2 Stunden gaben wir auf und gingen wieder auf Kurs. Doch auch "Les Sable d' Olonne" wollten wir nicht in der Nacht bei Dunkelheit anlaufen. Also noch eine Kursänderung! Das neue Ziel hieß "La Rochelle". 

Die Nacht war kalt und zäh. Wir waren erschöpft und müde. Der Tag kam mit dicken Wolken daher und schlug auf die Stimmung.

Was ist am Segeln eigentlich schön???

Doch gegen Mittag wurde es zunehmend sonniger, bis wir schließlich unter blauem Himmel auf blauem Wasser mit immer noch gutem Wind dahinsegeln konnten. Einfach nur toll. 

Segeln ist doch schön!!!

 

Kurz vor "La Rochelle" schlief der Wind dann ein. Das machte nichts, denn wir mussten ohnehin das Niedrigwasser um 16.44 Uhr abwarten, da die Hafeneinfahrt mit 0,9m Tiefe für uns zu flach war.

Eine Stunde nach Niedrigwasser konnten wir einlaufen.

Nach 36 Stunden auf See und 150NM haben wir dann kurz nach 18.00 Uhr im Yachthafen 'Les Minimes' von "La Rochelle" festgemacht. 

 

 

La Rochelle

 

Erst in Lorient haben wir entschieden, dass wir "La Rochelle" anlaufen und nicht auslassen werden, denn im Museum 'Eric Tabarly' erfuhren wir, dass die 'Joshua', das Segelschiff von 'Bernard Moitessier' im maritimen Museum von La Rochelle liegen soll. 

 

Mit diesem Schiff hatte 'Bernard Moitessier' damals den schon sicheren Sieg einer Einhand-Segel-Ralley um die Welt verschenkt. Er war1969, bei der Weltumseglung, die einhand und non-stop um die Welt ging, ganz vorn im Rennen und hätte seinen Sieg und sein Preisgeld nur noch in Großbritannien abholen müssen.

Da man damals aber weder Funk, noch andere Informationsmöglichkeiten hatte, wusste er davon nichts.

 

Unterwegs Höhe Südafrika und damit bereits wieder auf dem Rückweg, entschied er sich, das Rennen abzubrechen und wieder in die Südsee zu segeln. Dort erfuhr er dann von seinem 'verschenkten Sieg'und schrieb ein Buch unter diesem Titel.

 

Sein Segelschiff 'Joshua' ging später in einem Sturm in Mexiko verloren, wurde verkauft, wieder aufgebaut, weitergesegelt und weiter verkauft. Als es dann abermals zum Verkauf stand, wurde das 'Maritime Museum La Rochelle' darauf aufmerksam und kaufte die 'Joshua'. Seit dem liegt sie in La Rochelle und macht von dort aus auch Touren.

Gleich am nächsten Tag fuhren wir mit dem Fahrrad zum Museum, um die 'Joshua' zu sehen. Leider war sie nicht da, sondern auf Tour. Laut Info die wir im Museum bekamen, sollte sie auf der Ile d' Yeu sein; also auf der Insel, an der wir i der Nacht vorbei gesegelt waren. Doch über 'Boat-Watch' fanden wir dann heraus, dass die 'Joshua' bereits wieder zurück war und zwar im Yachthafen 'Les Minimes', dort wo auch wir lagen. Voller Vorfreude radelten wir zurück und tatsächlich, die 'Joshua' lag dort. Und sie lag nicht nur irgendwo in diesem mit 5000 Plätzen sehr großen Yachthafen, sondern genau am Steg neben uns. Unsere 'Tharos' lag an Steg 7 und die 'Joshua' an Steg 6. Die Schiffe trennte nur 30m Wasser. 

 

Wir konnten nun die 'Joshua' aus der Nähe sehen, berühren, bestaunen. So dicht wären wir im Museum nicht heran gekommen. Und der HAMMER!!! Wir haben Bilder auf denen unsere 'Tharos' und die 'Joshua' zu sehen sind.

 

In "La Rochelle" gibt es einen vorgelagerten großen Yachthafen, einen Binnenhafen in der Stadt und einen weiteren Hafen in der Altstadt. Die Ansteuerung der Häfen, mit einem Tiefgang wie wir ihn mit der "Tharos" haben, ist nur 2 Stunden nach Niedrigwasser bis 2 Stunden nach Hochwasser möglich. Der Wasserstand in der Zufahrt zum Yachthafen und weiter zu den Stadthäfen geht bis auf 90 cm bei Niedrigwasser runter. Die Fahrrinne ist relativ schmal. Trotzdem ist die Ansteuerung nicht schwierig. Wer bei richtigem Wasserstand einläuft hat keine Probleme. Die Betonnung ist gut und ein Ansteuerungsfeuer hilft in Fahrwassermitte zu bleiben.

 

Wir waren im vorgelagerten Yachthafen "Les Minimes". Man kann aber auch in einen der Stadthäfen fahren. Der Hafen in der Altstadt ist allerdings tiedenabhängig und nichts für Schiffe mit großem Tiefgang. Der Stadt- und Museumshafen liegt hinter einem Lock und hält seinen Wasserstand. Das Lock und die Brücke öffnen allerdings nur auf Anfrage zu bestimmten und tiedenabhängigen Zeiten.

 

In der Marina "Les Minimes" hatten wir einen sehr schönen Liegeplatz an Steg 7. Da wir bereits in der Nachsaison ankamen, hielten sich die ansonsten extrem teuren Liegegebühren in Grenzen. Wir waren mit €33,- pro Nacht dabei. In der Hauptsaison hätten wir für unser Schiff €58,- pro Nacht gezahlt.

 

Von unserem Liegeplatz aus bis in die Altstadt waren es 4 km. Also holten wir sofort nach der Ankunft unsere beiden Klappräder aus ihren  Säcken und radelten los. In der Altstadt angekommen, hatten wir sofort ein Problem, dass wir bis dahin noch nicht kannten. Wir hielten an einer Kreuzung und schauten in die abgehenden Straßen. Alle Straßenzüge wirkten so einladend und interessant, dass wir uns einfach nicht entscheiden konnten mit welcher Richtung wir anfangen. Wahnsinn! Da standen wir nun mit offenem Mund und waren völlig überwältigt. Durch einen großen Torbogen hindurch starteten wir dann unsere Entdeckungstour und waren uns sofort einig:  Hier bleiben wir länger als 3 Tage!

 

Die Stadt "La Rochelle" umfassend zu beschreiben, würde den Umfang unserer Web-Seite sprengen. Daher hier nur eine Kurzbeschreibung und der Empfehlung, die Stadt einmal zu besuchen; es lohnt sich.

"La Rochelle" ist eine alte Piratenstadt. Der Altstadthafen ist durch zwei große Türme an der Einfahrt und eine Stadtmauer mit einem weiteren Turm geschützt. Die Altstadt selbst hat neben dem Altstadthafen mit Türmen und Stadtmauer bezaubernde Gassen, ein altes Theater, einen Marktplatz mit Markthalle, viele tolle Restaurants, Parks, und lange Strände die sich jeweils von der Stadtmauer Richtung Norden und vom Yachthafen Richtung Süden erstrecken. Daran entlang laufen gut ausgebaute und sehr schöne Wander-/Radwege.

Im Bereich des Binnenhafens befinden sich tolle Geschäfte, die Werften und das 'Maritime Museum'.

 

Uns hat es zwei Wochen in "La Rochelle" festgehalten und das lang nicht an schlechtem Wetter.

 

Von La Rochelle nach Bordeaux (?)

Ganz früh morgens mit dem richtigen Wasserstand waren wir am 26.10.2017 in "La Rochelle" gestartet. Das Ziel war die "Gironde", der Fluß an dem "Bordeaux" liegt. Zwischenstopps waren für "Port Médoc" und "Port Pauillac" geplant.

 

Nach dem Sonnenaufgang hatten wir einen sonnigen Segeltag und erreichten nach 12 Stunden den Yachthafen "Port Médoc". Die Ansteuerung der Gironde-Mündung" ist von Norden aus etwas trickie. Unterwasserfelsen ziehen sich vom nördlichen Cap aus weit in die Biskaya hinein. Die relativ hohen doch sehr langen Biskaya-Wellen brachen sich darüber mit einem lauten Grollen, das wir über mehr als 2 sm höhen konnten. Die Fahrrinne beginnt entsprechend weit draußen. Je weiter wir die "Gironde" rauf fuhren, desto sedimentreicher und brauner wurde das Wasser. Die Fahrrinne war trotz der großen Flussbreite recht schmal und die Strömung in der "Gironde" war mit 3 - 4 Knoten auch recht stark. An diesem Tag erreichten wir spät abends noch den "Port Médoc". Dieser Yachthafen lag recht weit vom nächsten Ort entfernt. Die Nachsaison war schon deutlich zu spüren. Also blieben wir hier nur zwei Nächte und fuhren weiter Flussaufwärts Richtung "Bordeaux". 

Wir hatten uns eigentlich für eine Überwinterung im Binnenhafen von "Bordeaux" anmelden wollen, konnten aber den Hafenmeister dort weder über Telefon noch über Email erreichen. Auch eine Email vom Hafenbüro in "Port Médoc" blieb unbeantwortet. Allerdings erfuhren wir dort, dass der Binnenhafen von "Bordeaux" bis mindestens Mitte November gesperrt sein sollte. Da die Strecke von "Port Médoc" bis nach "Bordeaux" mit ca. 50sm zu lang war, um sie bei Tageslicht zu schaffen entschlossen wir uns, bei der Hälfte der Strecke in "Port Pauillac" einen Stopp einzulegen und von dort nochmals zu versuchen den Hafermeister von Bordeaux zu erreichen.

 

Der "Port Pauillac" lag direkt an dem Ort. Die Ansteuerung und Einfahrt war recht anspruchsvoll. Wir mussten auf ausreichend hohen Wasserstand und die sehr starke Strömung achten. Da wir bei Hochwasser ankamen war der Wasserstand gut, aber die Strömung setzte sogar im Hafen mit ca. 3 Knoten. Um in dem relativ engen Hafen bei der Strömung nicht lange manövrieren zu müssen, legten wir gleich am ersten Steg an, obwohl dieser für Passagierboote reserviert war. Auf dem Weg zum Hafenmister kam uns dieser schon entgegen, übergab uns das Anmeldeformular und sagte uns, dass wir dort an dem Steg liegenbleiben durften. Unsere Frage, ob wir dort auch bis Mitte November bleiben dürften, beantwortete er mit  'Oui'. Wir erklärten ihm, dass wir ab Mitte November im Binnenhafen von "Bordeaux" überwintern wollen, fragten aber gleich schon mal an, ob wir, wenn der Binnenhafen von "Bordeaux" gesperrt bliebe, nicht auch bis März im "Port Pauillac" bleiben dürften. Wieder kam ein freundliches 'Oui'  über seine Lippen. So fühlten wir uns im "Port Pauillac" gleich supergut aufgehoben.