Leben an Bord

An Bord zu leben war immer unser Traum, den wir uns bereits in Harburg seit Juli 2013 erfüllt haben.

Viele Freunde und Bekannte haben unseren Lebensstil mit etwas Skepsis betrachtet. Für uns war es schon immer toll und eine gute Vorbereitung auf unsere jetzige Reise.

 

Das Leben an Bord ist eigentlich, wie das Leben in Haus oder Wohnung … nur ganz anders!

 

Wenn die Wohnung oder das Haus wackelt, dann ist dies eigentlich immer die Folge eines Erdbebens. Beim Schiff ist das Wackeln normal. Mal mehr mal weniger. Wenn es mal nicht wackelt, dann ist entweder absolute Windstille ohne auch nur die kleinste Welle, oder man sitzt 'auf Schiet’, d. h. man ist sitzt auf Grund fest. In einem wirklich eisigen Winter kann es auch sein, dass man eigefroren ist. Normalerweise bewegt sich ein Schiff aber immer. 

 

An Bord haben wir mehrere Räume in denen wir uns aufhalten können. Die Räume sind natürlich nicht so groß wie in einer Wohnung und vor allem ist die Deckenhöhe deutlich niedriger, aber das macht die Räume eigentlich nur gemütlicher und was die Deckenhöhe betrifft, kann man hier mal einen alten „Fliegerspruch“ zitieren:

 

‚Nichts ist so unwichtig, wie die Luft über Einem!‘

 

Unser Schiff haben wir in den letzten Jahren für unsere Ansprüche ausgebaut. 

Wir haben einen Sitzbereich mit Tisch, Schrank, TV, Navi-Ecke und offener Küche. In der Küche gibt es auch bei uns alle Geräte, wie man sie aus einer Wohnungsküche kennt. Sogar ein ‚Thermomix‘ ist vorhanden. 

Alles funktioniert elektrisch; kein Gas. Landanschluss oder Generator liefern uns den nötigen Strom.

Die Bugkabine ist im oberen Bereich unser Gästezimmer. Unten ist sie Stauraum für Segel und Zubehör. Mit der Achterkabine haben wir uns einen tollen Aufenthaltsbereich geschaffen. Eine richtige kleine Lounge-Ecke, mit breiten weichen Matratzen und vielen Kissen. Die neun großen Fenster bieten einen tollen Ausblick übers Wasser. Nachts dient uns dieser Raum als Schlafzimmer.

 

So leben wir auf unserem Schiff eigentlich ganz normal. Komplett anders wird es allerdings dann, wenn man vor Anker oder an einer Mooringboje liegt. Hier merkt man die Natur doch wesentlich deutlicher. Manchmal bringen Wind oder Wellen das Schiff heftig zum schaukeln, was über Stunden oder Tage dann doch recht anstrengend bis nervig wird. Auch ist die Bewegungsfreiheit am Ankerplatz oder an der Mooringboje auf den Raum, welchen das Schiff bietet, begrenzt. An Land kommt man nur mit dem Schlauchboot. Mal eben los, gibt es dann nicht. Bei schlechtem Wetter überlegt man mehrfach, ob man einen Landausflug in Angriff nimmt oder es besser lässt. Bei Sturm und Wellen, welche das Schiff an Anker- oder Mooringkette reißen lassen, bleibt man an Bord. Das kann auch schon mal über mehrere Tage gehen. Dann wird es anstrengend. Die Bewegung des Schiffes erfordern ständiges Festhalten oder nerven beim Liegen und Schlafen. Zum Kochen muss man den halbkardanisch aufgehängten Herd entriegeln, damit dieser schwingen kann und einem nicht die Töpfe und Pfannen vom Herd fliegen. Der ‚Thermonmix‘ schafft da eine echte Erleichterung. Dieses Gerät kocht nicht nur allein vor sich hin, sondern ist auch absolut Standsicher. Wind und Wellen sind ihm egal; nur Strom will er haben.

'Strom'; das ist natürlich vor Anker oder an der Mooring auch ein Thema. Mit der 12V-Gleichstrom-Versorgung kommt man da nicht weit. Selbst mit Inverter 12/230V nicht. Das würden die Bordbatterien gar nicht hergeben. Hier kommt unser Generator ins Spiel.

Ein Dieselgenerator vom Typ 'Lombardini LMG6000'. Er befindet sich neben dem Motor im Maschinenraum und schafft 5.000 Watt Dauerleistung. Das reicht! Kochen, warmes Wasser, Heizlüfter, alles kein Problem.

 

Ein weiterer Punkt am Ankerplatz sind die Kontrollen. Je mehr Bewegung im Schiff ist, desto häufiger sind sie durchzuführen. 

 

Hält der Anker/die Mooring?

Sind Kette bzw. Leinen in Ordnung?

Leuchtet das Ankerlicht im Masttop?

Was macht der Wasserstand; ist bei Niedrigwasser und Schwell noch mindestens die berühmte ‚handbreit Wasser unterm Kiel‘?

Wie ist der Abstand zum Land; bleibt er gleich oder rutscht der Anker?

Wie ist der Abstand zu anderen Schiffen, die ebenfalls vor Anker leigen? Kommen sie uns oder wir ihnen näher als gewollt?

 

Die Zeiten zwischen den Kontrollen werden immer kürzer, je stärker Wind und Wellen am Schiff zerren. Ob Tag, ob Nacht, bei stärkerem Wind wird mindestens einmal pro Stunde kontrolliert und protokolliert. Bei Sturm bleibt einer im Cockpit und die Maschine startbereit. Glücklicherweise sind solche Tage eher selten. Stürmische Tage vor Anker/an der Mooringboje hatten wir erst drei. Zwei davon im Hooksmeer und einen in St. Evette. Dort in St. Evette war es allerdings zur Mittagszeit für ein paar Stunden so stürmisch, dass ich bei warmgelaufener, startbereiter Maschine im Cockpit geblieben bin.

 

Ganz anders wird dann das Leben auf See. Hierüber können wir zwar noch nicht so sehr viel berichten, da wir meistens nur Tagestouren machen. Selten segeln wir auch mal die Nacht durch und sind mehr als 12 Stunden unterwegs. Aber auch auf relativ kurzen Touren ist schon alles anders. Man kann nicht mal eben an Land; nicht mal eben noch etwas holen. Alles bewegt sich. Einer muss immer in der Plicht sein, das Schiff steuern und selbst wenn dass Schiff unter Windselbststeueranlage quasi allein unterwegs ist, muss einer Ausguck halten. Schlaf kommt dann deutlich zu kurz.

Auf Schiffen, die mit einer, wenn auch nur kleinen Crew, unterwegs sind, ist es da ein wenig leichter. Da sind einfach ein paar Pausen möglich. Zu zweit ist es da schon wesentlich anstrengender. Wir haben uns angewöhnt zu zweit im Cockpit zu bleiben. Das ist zwar unbequemer, aber man ist dann nicht allein, selbst wenn der andere auf der Sitzbank, eingewickelt in Decken, schläft. Eine Ablösung alle drei Stunden hat sich auf unseren Nachttouren bewährt, wenn wir diesen Rhythmus auch nicht immer stur einhalten. Fehlender Schlaf wird dann auch mal tagsüber nachgeholt.

 

Wie es ist, wenn man mehrere Tage auf See ist, wissen wir noch nicht. Wir werden aber berichten, wenn wir mal einen Törn über mehrere Tage gemacht haben. Leicht wird es aber mit Sicherheit nicht. Wir sind schon jetzt nach 20-24 Stunden mit einer durchsegelten Nacht meistens völlig fertig.

Tagsüber ist es auf einem Törn oft eher langweilig, aber Nachts wird es anstrengend. Die Dunkelheit, insbesondere in mondlosen Nächten oder bei bedecktem Himmel, ist schon sehr gewöhnungsbedürftig. Andere Schiffe, besonders Fischer sind sehr schlecht erkennbar und nur schwer einzuschätzen. Wo man bei einfachen Schiffen noch mit dem Fernglas hinschauen und so deren Fahrtrichtung erkennen kann, sollte man das bei einem Fischkutter nicht versuchen. Mehrere Hochleistungsstrahler, welche den Arbeitsbereich auf einem Fischer beleuchten, machen das Erkennen der Positionsleuchten schier unmöglich und nach dem Blick durchs Fernglas für mehrere Minuten blind. Leider senden nicht alle Fischkutter ein AIS-Signal über das man Informationen auf dem Kartenplotter erhält. Selbst wenn man die Fahrtrichtung eines Fischkutters erkannt hat, nützt das oft nicht viel, denn plötzlich ändert der Kutter seinen Kurs und es ist wieder alles anders. Auch sind die Fischer immer da, wo auch wir fahren und nicht wie die großen Schiffe auf festgelegten Routen, die man gut vermeiden kann, unterwegs. Fischer sind einfach nur nervig. 

 

Mit jedem Tag auf See werden unsere ‚Seebeine‘ noch weiter wachsen. Irgendwann werden wir auch über mehrere Tage auf See berichten können. In der Biskaya wird es aber bei eher kurzen Törns bleiben; wir wollen ja auch was sehen und erleben; nicht an Land und Leuten vorbei rauschen.